
In Rumänien leben viele Waisen und Kinder, die von ihren Eltern wegen der wirtschaftlichen Not verlassen wurden, in Kinderheimen oder gar auf der Strasse. Der Wechsel des politischen Regimes im Jahre 1989 hat die tragische Situation der Kinder in den Kinderheimen ans Licht gebracht. Diese vom rumänischen Staat finanzierten und geführten Heime beherbergen Waisenkinder und Kinder, deren Familien ihre Ernährung und Erziehung nicht gewährleisten können. Die meisten stammen aus verarmten Familien, oft Romas, oder von allein stehenden Frauen. Die Mehrheit der Mitarbeiter in den Heimen hat keinerlei berufliche Qualifikation. Sie sind nicht dafür ausgebildet, auf die Persönlichkeit und Entwicklung des einzelnen Kindes einzugehen, sie sorgen höchstens für einen reibungslosen Ablauf, für Unterkunft und Verpflegung. Was die pädagogische Betreuung angeht, beschränkt sie sich oft nur auf die Einhaltung einer gewissen Disziplin. Eine soziale und berufliche Vorbereitung der Kinder und Jugendlichen auf das Leben in der Gesellschaft findet nicht statt.
Die wirtschaftlichen und politischen Reformen seit der Wende haben die Zahl der verlassenen Kinder nicht gesenkt, im Gegenteil. Die weiter zunehmende Verarmung der Bevölkerung führt dazu, dass die Zahl der Kinderheime stabil bleibt. Während der letzten Jahre hat die rumänische Regierung mit der Reform des Kinderschutzsystems begonnen. Trotz den eingeleiteten Massnahmen verbessert sich die Lebensqualität der Kinder in staatlichen Heimen nur langsam. Die Erzieher kämpfen selbst ums tägliche Brot, statt ihrer Aufgabe auch nur annähernd gerecht zu werden. Nebst der fehlenden Ausbildung mangelt es ihnen auch an Spielzeug, therapeutischen und schulischen Materialien sowie Medikamenten.
Im Hinblick auf den EU-Beitritt wurden sogar Heime geschlossen, Rumänien will seine Armut nicht offenbaren. Die mangelhafte Schulbildung räumt den Jugendlichen, welche die Heime verlassen müssen, keine Chance auf eine Berufsausbildung und die Integration in den Berufsalltag und die Gesellschaft ein. Ohne Stelle und ohne Wohnung sind sie ganz auf sich allein gestellt und enden nicht selten auf der Strasse. Bereits 1996 gründeten Walter und Heidi Burgener das Kinderheim Casa Speranta in Viseu de Sus, im Norden Rumäniens. Dort können solche benachteiligten Kinder in familienähnlichen Verhältnissen aufwachsen und sich auf das zukünftige Leben vorbereiten.
Das Kinderheim «Casa Speranta» (Haus der Hoffnung)
Für Heidi und Walter Burgener begann Ende 2006 ein neuer Lebensabschnitt. Nach ihrer Rückkehr in die Schweiz, geniessen sie jetzt ihren wohlverdienten Lebensabend. Sie sind aber weiterhin eine wichtige Stütze für dieses Projekt.
Von den 13 Kindern ist im 2010 ein Junge zu seiner Mutter zurückgekehrt. Nun wohnen also noch 5 Mädchen und 7 Buben zwischen 9 und 15 Jahren im „Haus der Hoffnung“. Sie wurden bereits als Babys verlassen und im Spital zurückgelassen, ihre Mütter waren nicht imstande, für ihre Kinder selbst zu sorgen. Heute sind sie neugierige und aufgeweckte Schüler mit viel Energie. Einige rumänische Angestellte und Helfer aus der Schweiz arbeiten ebenfalls im Kinderheim. Die Tätigkeit umfasst vor allem die Betreuung und falls nötig Therapie, Aufgabenhilfe, Haushalt und gemeinsame Mahlzeiten. Vor dem Essen geht es manchmal laut zu und her. Da sämtliche Kinder aus sehr schwierigen sozialen Verhältnissen kommen, sind die meisten in ihrer geistigen Entwicklung rückständig und schlecht sozialisiert. Sie brauchen u.a. eine gezielte Anleitung zum Spielen, Basteln und für den Umgang miteinander. Bei den älteren Kindern macht sich die Pubertät bemerkbar, Kraft und viel Weisheit bei der Erziehung sind nötig. Dies und die Planung der beruflichen Zukunft gehören zu den herausfordernden Aufgaben der Heimleitung und deren Mitarbeiter.
Ohne finanzielle, materielle und praktische Hilfe von Missionsfreunden könnte dieses Kinderheim nicht bestehen. Alle Verantwortlichen, Mitarbeiter und auch die Kinder sind für jede Unterstützung sehr dankbar.