Stiftung Osteurpoamission Schweiz

Allgemeine Informationen über den Kosovo 2011

Politik
An der Versammlung vom 17. Februar 2008 verkündete die beschlussfähige Mehrheit einstimmig die Unabhängigkeit Kosovo von Serbien. Alle 11 Abgeordneten der serbischen Minderheit hatten die Verhandlungen boykottiert. Die internationalen Reaktionen darauf waren gemischt, offiziell sprachen sich 75 UN-Mitgliedstaaten für die Unabhängigkeit aus. Bei der EU und NATO anerkannten sogar 80% der Mitgliedstaaten den neuen Status. Serbien betrachtet den Kosovo unverändert als seine Autonome Provinz Kosovo.
Am 22. Februar 2011 wurde im Kosovo ein neuer Präsident gewählt. Wie vorgesehen, bildeten die Demokratische Partei des Kosovo (PDK) und die Allianz Neues Kosovo (AKR) eine Koalition und einigten sich auf den AKR Parteivorsitzenden Behgjet Pacolli als Kandidaten. Aber nicht alle Mitglieder der PDK waren derselben Meinung, knapp die Hälfte boykottierte die Wahl. Es benötigte 3 Wahlgänge bis Pacolli schliesslich mit Biegen und Brechen gewählt war. Am 28. März 2011 entschied jedoch das Verfassungsgericht, dass die Wahl verfassungswidrig war; Pacolli fand sich damit ab.
In einer 2. Wahl vom 7. April 2011 rangen sich die Parteien PDK, AKR und die Opposition Demokratische Liga des Kosovo (LDK) zu einem Kompromiss durch und stimmten gemeinsam für die Polizeikommandantin Atifete Jahjaga. Sie wurde mit grosser Mehrheit zur Präsidentin gewählt, jedoch war von Anfang an klar, dass sie nur übergangsweise regiert, da die Verfassung eigentlich einen Gegenkandidaten vorschreibt. Nach erfolgter Gesetzesänderung sollten bei der geplanten Neuwahl im 2012 mindestens zwei oder 3 Kandidaten für das Präsidentenamt kandidieren. 

Glaube
Das Christentum sowie der Islam bilden die zwei Hauptreligionen. 90% sind Muslime, davon sind die meisten Sunni. Die bestehende kleine Anzahl an evangelischen Protestanten ist vor allem auf die Missionsarbeit der Methodisten im späten 18. Jahrhundert zurückzuführen. Sie sind vertreten durch die protestantisch-evangelische Kirche.

Wirtschaft und Arbeit
Die Wirtschaft des Kosovo ist eine der schwächsten in Europa. Der Kosovo war bereits früher die ärmste Provinz des ehemaligen Jugoslawien. Während den 90er Jahren wurde die ohnehin schon schwache Wirtschaft durch die Haushaltspolitik, internationale Sanktionen, kaum vorhandenen Aussenhandel und Fremdkapital sowie ethnischen Konflikten massiv beschädigt. Nach der Unabhängigkeitserklärung 2008 verschlimmerte sich die Situation weiter. Der ungewisse internationale Status des Kosovo, die weitverbreitete Korruption und der überall vorhandene Einfluss des organisierten Verbrechens machen es schwer, Leute für Darlehen und Investitionen im Land zu begeistern.

Es wird geschätzt, dass fast die Hälfte der Bevölkerung von Arbeitslosigkeit und Armut betroffen ist. Die Arbeitslosigkeit unter den Zigeunern ist bei knapp 90%, der durchschnittliche Stundenlohn beträgt umgerechnet ca. CHF 2.70.

Auf Grund der schwachen Wirtschaft bleibt der Kosovo abhängig von der Unterstützung der internationalen Gemeinschaft sowie von der kosovarischen Diaspora (Hilfsgelder von Emigranten). Eine der Hauptursachen der Krise im Kosovo ist der kaum vorhandene Arbeitsmarkt. Nicht nur die Arbeitslosigkeit erhöhte sich drastisch, auch die Arbeiter, welche zwar einen Job haben, bringen weniger Lohn nach Hause. Da die Firmen aus Kostengründen die Zahl der Arbeitsstunden reduzieren, unbefristete Verträge in befristete umwandeln und auch vor Lohnrückständen keinen Halt machen.
Ebenso Sorge bereitet der Anstieg der Lebensmittelpreise um fast 50% in einem halben Jahr.

Lebensmittelpreise im Vergleich: Stand: Januar 2010 / in CHF Stand: März 2011 / in CHF
50 g Brot 0.40 0.60
1l Öl 1.70 2.25
1 kg Mehl 0.50 0.80
1 kg Zucker 0.65 1.30
1 kg Reis 0.90 1.55
1 l Benzin 1.20 1.60
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