Stiftung Osteurpoamission Schweiz

Allgemeine Informationen über Ungarn 2011


Politik

Anfangs 2011 übernahm Ungarn den EU-Ratsvorsitz, dabei verlief der Start nicht gerade harmonisch. Dem nationalkonservativen Regierungschef Viktor Orban gelang es z.B. nicht, den Weg für Rumänien und Bulgarien in die Schengen-Zone zu ebnen. Ausserdem provozierte er Brüssel mit einer neuen Medienbehörde, welche sich um eine ausgewogene Berichterstattung kümmern soll… Auch die Sonder- oder Krisensteuer für ausländische Unternehmen sorgte für Wirbel. Für diese Aktion erntet Orban allerdings Beifall aus der Bevölkerung, denn viele Unternehmen wurden in den neunziger Jahren mit Investitionshilfen und tiefen Steuern ins Land gelockt. 2009 stand Ungarn am Rande des Bankrotts, neue Geldquellen sind also dringend nötig.
Dass Änderungen unumgänglich sind, zeigt das Unglück im letzten Oktober, als aus einem Aluminiumwerk eine hochgiftige Schlammlawine einige Dörfer überflutete. Der eisenhaltige Schlamm wurde im Auffangbecken nicht sicher genug gelagert. Fahrlässigkeit, lasche Vorschriften, zu wenig Investitionswillen werden u.a. als Gründe für diese Katastrophe genannt.

Einkommen und Preise

Zu den nicht weniger wichtigen Katastrophen zählen auch die Schicksale der armen Leute. Das Problem hat sich mit der Wirtschafskrise noch verschärft, 14% der Bevölkerung und 25% der Kinder leben unter der Armutsgrenze. Lösungen sind bis jetzt keine in Sicht. Die Arbeitslosigkeit ist sehr hoch und die Preisanstiege bei Strom und Nahrungsmitteln sind enorm. Der grösste Teil der Beschäftigten verdient höchstens den Mindestlohn von umgerechnet CHF 370.– pro Monat. Dazu erhält eine Familie mit 2 Kindern eine Zulage von etwa CHF 200.–. Mit diesem Einkommen müssen folgende Kosten bewältigt werden
(4 Personen pro Monat):

– Miete je nach Ort und Komfort: CHF 100.– bis 400.–

– Strom, Wasser, Abwasser, Müllabfuhr: CHF 115.– bis 155.–

– Gas (zum Kochen und Heizen): CHF 190.– bis 280.–

– Öffentlicher Verkehr pro Person: CHF   20.– bis   95.–

– Schule je nach Alter: CHF   14.– bis   95.–

Das restliche Einkommen von CHF 130.– (bei tiefsten Kosten) reicht nie für alle Nahrungsmittel, Kleider und andere dringende Bedürfnisse. 1 kg Mehl kostete bisher umgerechnet CHF 0.50. Wegen Überschwemmungen in der Landwirtschaft droht nun ein Ausfall der Ernten und das Mehl aus importiertem Getreide wird bis CHF 0.70 pro kg kosten. Überschüssiges Getreide vom letzten Jahr verkaufte die Regierung an die EU, somit fehlen jetzt die Vorräte.

Wer auf ein Auto angewiesen ist, das öffentliche Verkehrsnetz ist nicht so gut ausgebaut wie bei uns, bezahlt für 1 Liter Benzin momentan CHF 1.65 und 1 Liter Diesel CHF 1.60. Erhöhungen sind angesagt. Die Preise für den Postversand steigen ebenfalls an.

Renten

Das Rentenalter liegt bei Männern und Frauen bei 65 Jahren. Die Renten wurden per 1.1.2011 leicht angehoben, wobei die laufenden Preiserhöhungen damit nicht abgedeckt sind. Ausserdem werden bald Frühpensionierungen mit Kürzungen «bestraft». Und alle Mitglieder einer privaten Rentenkasse (früher vorgeschrieben, jetzt freiwillig) mussten bis Ende Januar 2011 entscheiden, ob sie weiterhin dort bleiben oder in die Staatsrentenkasse eingegliedert werden wollen.

Immobilien
Momentan gilt ein Moratorium gegen Hausräumungen, d.h. bis zum Ende der Heizsaison Mitte April darf niemand wegen nicht bezahlten Bankraten vor die Tür gesetzt werden. Die schwankenden Kurse bringen das Abzahlungs-Budget völlig durcheinander. Viele Kredite wurden in ausländischen Währungen aufgenommen und nun müssen für monatliche Raten z.B. über CHF 400.– bezahlt werden, anstatt den anfänglich abgemachten CHF 200.–. Familien leiden besonders unter diesen zusätzlichen Kosten.

  

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